„...und raus bist du" |
Kein Wunder, dass Pino sich gerne in schönen Tagträumen verliert, denn die Wirklichkeit ist alles andere als rosig. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Esad, lebt das Mädchen in einer kleinen Wohnung. Das wenige Geld, das die Mutter als Putzfrau verdient, reicht kaum aus, um über die Runden zu kommen. Aber weitaus schlimmer ist die Angst, dass sich eines Tages der gefürchtete Brief der Fremdenpolizei im Postkasten befinden könnte. Der Brief, in dem es dann hieße, dass sie abgeschoben würden. Wenn wenigstens Tata noch da wäre! So aber gilt, was Esad sagt, weil er eben - was immer das auch heißen soll - „der Mann im Haus" ist. Pinos Schulfreundin Leonie sagt gerade heraus, dass sie Esad für einen gemeinen Tyrannen hält. Doch Pino kann nicht anders, sie muss ihren Bruder verteidigen... Ein fesselndes, wichtiges Buch über Schicksale, die uns alle angehen und die Dank einer großartigen Autorin nun endlich auch im Jugendbuch thematisiert werden. (H. F.) |
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"Krabat" |
Als Dreikönige ziehen sie durch das Land: der vierzehnjährige Krabat und zwei andere Betteljungen. Und eben in einer dieser Nächte zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag hat Krabat einen seltsamen Traum: Elf Raben sitzen auf einer Stange und blicken ihn an. Er sieht, daß ein Platz auf der Stange frei ist, am linken Ende. Dann hört er eine Stimme. Die Stimme klingt heiser, von fernher, und ruft ihn bei seinem Namen. "Krabat!" erschallt es zum zweitenmal - und ein drittesmal: "Krabat!" Dann sagt die Stimme: "Komm nach Schwarzkollm in die Mühle, es wird nicht dein Schaden sein!" Hierauf erheben die Raben sich von der Stange und krächzen: "Gehorche der Stimme des Meisters, gehorche ihr!" Zuerst will Krabat auf all das nicht viel geben, aber schon in der folgenden Nacht wiederholt sich der Traum. Das gibt dem Buben doch zu denken, und am anderen Morgen erkundigt er sich bei einem Bauern, ob es irgendwo in der Gegend ein Dorf gibt, daß Schwarzkollm heißt. Und tatsächlich! Der Bauer entsinnt sich, den Namen schon einmal gehört zu haben. Aber seine Wegbeschreibung ist ungenau, und so muß sich Krabat von Dorf zu Dorf weiterfragen, bis er eines Tages das kleine Heidedorf erreicht. Als Krabat sich schließlich bei einem der Dorfbewohner nach der Mühle erkundigt, wird er gewarnt: "Meide die Mühle am Schwarzen Wasser, es ist nicht geheuer dort . . ." Aber Krabat entscheidet sich anders. "Bin ich ein kleiner Junge? Ansehen kostet nichts." Das Abenteuer beginnt . . . Otfried Preußler ist der Name des Sprachzauberes, dem es mit seinem packenden Jugendroman "Krabat" (1971) gelang, das grobe Leinen einer alten Volkssage in einen Stoff aus purem Gold zu verwandeln. (H. F.) |
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Werner J. Egli: |
Yuri ist gerade beim Holzhacken, als er von dem schlimmen Unglück erfahren muss: Sein Vater wurde bei der Jagd von einem Tiger angefallen und getötet. Yuris Wut auf das Tier ist unermesslich. Am liebsten würde er gleich auf der Stelle losziehen, um seinen Vater zu rächen und die gefährliche Bestie zu töten, aber die Jäger warnen ihn. „Dieser Tiger ist ein besonderes Tier", sagt der Mann, der Yuri das Gewehr und den zerschlissenen Rucksack seines Vater bringt. „Der Tiger ist verletzt. Und trotzdem hat er deinen Vater angegriffen und ihm aufgelauert, als er sich gerade in Sicherheit wähnte." Aber Yuris Entschluss steht fest. „Ich werde diesen Tiger töten", verkündet er. „Ich werde Wladimir fragen, ob er mich begleitet. Dieser Tiger ist ein Menschenfresser. Er muss zur Strecke gebracht werden, bevor er noch mehr von uns tötet." Gemeinsam mit einem alten Wildhüter macht sich Yuri auf den Weg in die sibirische Wildnis. Beinahe empfindet er schon Bewunderung für diese Tiere, als es zu einer dramatischen Begegnung kommt ... Spannend bis zur letzten Seite! Ein packendes Leseabenteuer von Werner J. Egli. (H.F.) |
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Werner J. Egli: "Tunnelkids", |
Werner J. Egli kriecht in seinem Jugendroman "Tunnelkids" in die Haut eines Verzweifelten. Der hohe Preis des Prinzips Hoffnung: Es ist trist. Es ist dunkel. Es ist die Härte. Aber auch im Abseits des schönen, schönen Lebens, im Dreck, in der Gosse wuchern zwischen all dem Gestrüpp manchmal Blumen. Vielleicht wissen diese Blumen nicht um ihre Eigenart und Schönheit, weil sie noch nie etwas von solchen Dingen gehört haben. Vielleicht würden sie lachen, um was man sich alles so seine Gedanken machen kann. Um was geht's denn, Mister, würden sie wissen wollen. Um ein Buch? - Das ist lächerlich. Und dann bedrohen sie einen, weil sie es gewohnt sind, selbst bedroht zu werden. Um was es geht? Ums Überleben. Um ein winziges Plätzchen, ein klein wenig Licht, damit man nicht erstickt zwischen all dem Abfall der Reichen und Vergeßlichen. Da ist also ein Indianerbub. Santjago. Sicher, so einer muß doch die Häßlichkeit gewohnt sein. Wenn nicht er, wer weiß dann schon von Mißhandlung, Tod und . . . Liebe? Ja, freilich, die Liebe. Dafür braucht es keine höhere Schule. Und doch - man möchte sich dieses Wort verbeißen, wenn man in der Haut dieses Jungen steckt. "Tunnelkids" - ein exzellent geschriebener Alptraumtrip? Das allein wäre zuwenig. Egli ergibt sich nicht der bloßen Bitterkeit, sondern unterstellt sich und seinem Helden den Mut (oder ist es Hoffnung?), trotz allem Mensch zu bleiben. (H. F.) |
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